Bachelorprojekt · UX/UI
Von Anfang an barrierefrei designt

Die beste Technologie ist eine, die jede:r nutzen kann. Boo wurde von Anfang an barrierefrei designt und kann auch bei starken Seh-, Hör- und kognitiven Problemen einfach benutzt werden.
Warum boo barrierefrei gedacht werden musste
Mehr als ein Viertel der Menschen ab 65 hat Sehbeeinträchtigungen, etwa ein Drittel lebt mit Hörbeeinträchtigung und mehr als jede vierte Person stürzt pro Jahr. – Oft mit schweren Folgen. Barrierefreiheit war für boo die Voraussetzung für verständliche und sichere Nutzung.
60%+
Beweglichkeit ist eingeschränkt
Bei über 60 % der Über-65-Jährigen treten Erkrankungen auf, die zu Mobilitätseinschränkungen führen. Interfaces müssen deshalb auch dann verständlich und sicher bleiben, wenn Bewegung, Reichweite oder Reaktionsfähigkeit eingeschränkt sind.
1 Sturz/Jahr
Sicherheit muss mitgedacht werden
Ein über 80-Jähriger stürzt im Durchschnitt einmal pro Jahr. Barrierefreiheit bedeutete für boo deshalb nicht nur Lesbarkeit, sondern auch Orientierung, Fehlertoleranz und ein Interface, das Unsicherheit reduziert.
93%
Smart-TV-Oberflächen überfordern
Die herangezogene Studie zeigt, dass 93 % Smart-TV-Interfaces als zu komplex empfinden. Für boo war das ein klarer Hinweis, Navigation zu vereinfachen, kognitive Last zu senken und visuelle Barrieren konsequent abzubauen.

Wie Barrierefreiheit ins System übersetzt wurde
Barrierefreiheit war ein fester Teil des UI-Systems. Ich habe sie deshalb in konkrete Regeln übersetzt: Noto Sans, 120 % Zeilenabstand, maximal acht Wörter pro Zeile und Schriftgrößen, die über DIN 1450 für TV-Distanz berechnet wurden. Gleichzeitig läuft jede Interaktion parallel über Text und Sprachausgabe, weil die Tests gezeigt haben, dass genau diese audiovisuelle Führung das Produkt spürbar vereinfacht. Auch Dinge wie die sichtbare Mikrofonaktivierung mit Live-Transkription und Sprache auf B1-Niveau gehörten deshalb nicht zum Extra, sondern zur Grundlage der Gestaltung.
Produktkern
Audiovisuelle Steuerung
Alle wichtigen Schritte werden visuell gezeigt und zusätzlich vorgelesen. In den User Tests wurde diese Kombination als spürbare Erleichterung wahrgenommen.
Natürliche KI-Nutzung
Eine natürliche Spracheingabe, bei der man langsam, in Umgangssprache mit Dialekten oder Fehlern sprechen kann, war für das Produkt wichtig. Durch die Nutzung eines KI-Modells, das die Sprache analysiert und auswertet, konnte bewiesen werden, dass Sprachsteuerung eine niedrigschwellige und einfache Art der Steuerung ist.
Erlernte Bedienlogik
Die Interviews und der Research zeigten, dass das Produkt nur angenommen wird, wenn es wirklich intuitiv ist und man dabei die bereits vertraute und erlernte Mediennutzung beachten sollte. Der TV mit der 4-Tasten-Steuerung ist sehr vertraut.

Notfallfunktionen
Notfallfunktionen besitzen Konkurrenzprodukte und sind wichtig im Leben der Zielgruppe.
Lesbarkeit auf Distanz
WCAG Kontrast als funktionale Grundlage
Der Kontrast folgt dem natürlichen Kontrast von Papier, also dunkel auf hell. Alle Kontraste wurden auf WCAG 2.1 überprüft und darauf, dass es auch auf dem großen Fernseher nicht blendet.
Schriftgrößenrechner und DIN 1450
Schriftgrößen wurden nach dem Schriftgrößenrechner von Leserlich.info und DIN 1450 getestet. So konnte mit dem Visus 1,4 eine Sehbeeinträchtigung auf einem handelsüblichen TV mit ca. 2 Metern Abstand simuliert und Schriftgrößen getestet werden.
Humanistische serifenlose Font
Noto Sans wurde als gut lesbare, für Barrierefreiheit empfohlene Schrift auf Leserlich.info empfohlen. Diese wurde nach der Empfehlung in Regular- und Medium-Schnitten, gemischter Schreibweise und mit großzügigen Abständen verwendet.
Fokus und kein Blenden
Es wurden dunkle Hintergründe und ein klarer heller Fokus auf dem TV verwendet, damit der große Screen nicht blendet und es einen klaren Fokus gibt.
Vollflächige Icons statt Outlines
Die Icons wurden im Prozess von konturierten zu vollflächigen Formen weiterentwickelt, weil diese einfacher lesbar und schneller erfassbar sind.
Orientierung & Sicherheit
Onboarding mit Handlung
Das Onboarding erklärt nicht nur die Tasten, sondern verbindet Erklärung mit direkten Handlungen. Dadurch konnte das Bedienkonzept im Testing schnell verstanden werden.
Transparenz beim Zuhören
Das Mikrofon wird erst nach dem Drücken von „OK“ aktiv. Live-Transkription und sichtbare Zustände machen nachvollziehbar, wann das System zuhört und was es verstanden hat.
Farben ordnen Funktionen
Farben wurden festen Kategorien zugeordnet. Das unterstützt Orientierung und macht die Struktur des Systems logischer.
Sprache & Feedback
Respektvoll und einfach formuliert
Im Dialog mit Nutzer:innen wurde das „Sie“ klar gegenüber dem „Du“ bevorzugt. Die Sprache des Systems wurde deshalb auf B1-Niveau, offen und verständlich angelegt.
Ruhige und klare Sprachausgabe
Die Sprachausgabe wurde bewusst klar, langsam und verständlich gedacht. Forschung zu Hörverlust im Alter floss ebenso ein wie die Rückmeldungen aus den Tests.
"Einfacher geht's doch nicht!"
Giesela
Nutzer:innenfeedback
"Die Steuerung ist sehr intuitiv"
Reiner
Nutzer:innenfeedback
Validierung
In den Testings zeigte sich, dass das barrierefreie Design die Nutzung spürbar erleichtert hat. Es wurde von den Testpersonen verstanden und auch konkret benannt, dass die Maßnahmen die Benutzung vereinfacht haben. Große Typografie, hohe Kontraste und kurze Textzeilen verbesserten die Lesbarkeit auf Distanz, die Kombination aus Text und Sprachausgabe machte das System verständlicher. Gleichzeitig half die einfache und intuitive Steuerung dabei, Unsicherheit abzubauen: klare Zustände, reduzierte Bedienlogik und direktes Feedback machten schnell nachvollziehbar, was gerade passiert und was als Nächstes zu tun ist. Unterstützt wurde das durch eine klare Stimme und einfache Sprache auf B1-Niveau.